[Gehörtes] Zaubermärchen





Wie einige von euch vielleicht wissen, arbeite ich in einem Kindergarten als Erzieherin und gestern war es mal wieder Zeit für eine Fortbildung.
Das Thema lautete: "Pädagogisches Erzählen - Zaubermärchen". 
In einem kleinen Kreis mit 14 Leuten haben wir und dann mit großartigen Methoden 2 Märchen erarbeitet und ich kann es kaum erwarten, diese meinen Kindern im Kindergarten zu erzählen.
Gestartet haben wir aber mit einer Vorstellungsrunde, in der wir erzählen sollten, weshalb wir da sind, welche Beziehung wir zu Märchen haben und welches Märchen wir am liebsten mögen.
Bei mir ist das ganz klar "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern". Überhaupt nie hat mir Schneewittchen gefallen. Schon als Kind fand ich sie total naiv und dumm, weil sie immer und immer wieder auf die Stiefmutter reingefallen ist. Das hat mich tierisch aufgeregt!

Die Fortbildung wurde von Jana Raile, einer professionellen Erzählerin, geleitet und ich hing ihr vom ersten bis zum letzten Satz an den Lippen! 
Kennt ihr das, wenn jemand in den Raum kommt, erst gar nicht so auffällig ist, aber sobald diese Person zu reden beginnt, füllt sie den ganzen Raum? So eine Person ist Jana. 
Noch nie habe ich Märchen so extrem lebendig und mit so viel Begeisterung und Motivation erzählt bekommen. 

Zuerst erzählte sie das Märchen von der Wassernixe von den Gebrüdern Grimm. Das kannte bisher noch niemand der Teilnehmer, mich eingeschlossen. Und gerade das hat mir gut gefallen. Es ging nicht um die 08/15 Märchen, die jeder kennt. Wir haben uns ausschließlich mit Märchen befasst, die eben nicht so bekannt sind. Man muss Dornröschen ja auch nicht zum 159. Mal hören, oder?
Dieses Märchen haben wir uns dann gegenseitig nacherzählt und ich war komplett erstaunt, dass ich so gut wie alles noch in Erinnerung hatte. Hätte ich das Märchen nur so gelesen, dann wäre nur die Hälfte hängen geblieben.

Als zweites Märchen haben wir uns dann lange mit "Das Töpfchen" beschäftigt. Jana erzählte es wieder mit komplettem Körpereinsatz und ich fühlte mich wieder wie eine 5-Jährige, die gebannt an den Lippen des Erzählers hängt. Gerade auch hier ging sie hinterher besonders darauf ein, was Märchen eigentlich unterschwellig erzählen wollen, welche Urängste und Urgefühle angesprochen werden und auch (total interessant!), wofür bestimmte Dinge in Märchen stehen.
Wusstet ihr, dass Wasser für Gefühle steht? Das Spinnen am Spinnrad für den Lebensfaden? Der Wald für das Unbewusste? Kessel/Töpfe für die Urmutter? Haare für Macht, bei Frauen vor allem für sexuelle Macht? Nein? Ich auch nicht!
Und gerade dieses Überlegen, was das Märchen denn eigentlich aussagen soll, worum es geht, ist total interessant. 

So haben wir dann auch verschiedene Techniken erlernt, wie wir uns selbst zu Beginn die Märchen erarbeiten. Wichtig ist dabei, sich Gedanken über die Charaktere zu machen. Warum leben die Mutter und die Tochter im Märchen vom Töpfchen alleine? Wo ist der Vater? Auf Reisen? Tot? Unbekannt? Abgehauen? Sicherlich kann man das nicht wissen, aber es hilft ungemein, sich erstmal damit zu beschäftigen, weil man dann ein ganz anderes Gefühl für das Märchen bekommt. 
Genauso hilft es, sich die handelnden Personen und Orte herauszuschreiben. 
So erarbeitet man sich das Märchen dann Stück für Stück und kann es dann vollkommen ohne Text, dafür aber mit gezielt eingesetzter Mimik, Gestik und auch Stimme erzählen.

Ich bin immer noch begeistert von diesem großartigen Tag, den ich gestern erleben durfte und kann jedem von euch nur empfehlen, Jana Raile mal live zu sehen, wenn ihr die Chance habt. Sie "tourt" nämlich auch und erzählt an verschiedenen Orten (unter anderem am Strand auf Fehmarn!) Märchen.

Welches ist Euer absolutes Lieblingsmärchen und welches gefällt euch so gar nicht? 
Und was mich auch wirklich interessiert: Hat jemand von Euch schon mal von "Die Wassernixe" oder "Das Töpfchen" gehört?

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